Die diesjährige Jury war sich einig in ihrem Urteil zum hohen Qualitätsniveau und zur imposant großen Bandbreite der Einreichungen, sowohl, was Einsatzzwecke, Technologien als auch Geschäftsmodelle betrifft. „Der Verlagsbranche wird oft vorgeworfen, der Digitalisierung hinterherzulaufen. Nach Sichtung der Einreichungen ist klar: Sie ist ganz nah dran am Puls der digitalen Zeit, sie zeigt sich kreativ und mutig“, lautet das Fazit der drei dpa-Organisatoren Vedat Demirdöven, Steffen Meier und Daniel Lenz.

In der Jury des dpa für 2019 saßen die Digitalexperten:

  • Anett Gläsel-Maslov (Ideentraeger)
  • Fabian Kern (digital publishing competence)
  • Christian Kohl (Kohl Konsulting)
  • Marco Olavarria (Berlin Consulting)
  • Stefano Reccia (Google Deutschland)
  • Christina Schnelker (WDR)
  • Juliane Seyhan (Springer Gabler Verlag)
  • Barbara Thiele (Jüdisches Museum Berlin)
  • Lina Timm (Media Lab Bayern)

Die Begründungen der Jury

PROZESS/TECHNOLOGIE: Book Sprints (Book Sprints Ltd.)

Ein Book Sprint ist ein kollaborativer Schreibprozess, bei dem eine Gruppe von Personen befähigt wird, in vergleichsweise kurzer Zeit ein Buch zu schreiben. Eine Softwarelösung unterstützt den Prozess und das sofortige Anfertigen eines Epubs und druckfertigen PDFs. Im Hintergrund arbeitet ein Team von Illustratoren, Korrektoren und Buchdesignern per Software an der Fertigstellung des Buches. Bislang sind laut dem vor zehn Jahren in Neuseeland gegründeten Unternehmen über 150 Fachbücher produziert worden, von akademischen Lehrbüchern über technische Handbücher zu Corporate Publishing-Büchern.


Die Jury lobt die Idee, die aus der Softwarebranche stammende Methode des agilen Arbeitens auf den Schreibprozess zu übertragen. Der Ansatz sei sowohl für Verlage als auch Autoren interessant. Das Unternehmen trage mit Book Sprints insgesamt dazu bei, den „digital mindset“ in der Verlagsbranche zu verstärken.

PRODUKT/GESCHÄFTSMODELL 

B2B: We Audiobook You (Bookwire)

Das Angebot soll kleinen und mittelgroßen Verlage ermöglichen, vom Wachstumsmarkt Hörbuch zu profitieren. Der Digitaldienstleister Bookwire stellt Verlagen eine Auswahl an Hörproben aus drei verschiedenen Preiskategorien via Soundcloud zur Verfügung. Hat sich der Verlag für einen Sprecher entschieden, kalkuliert Bookwire für den Verlagstitel sowie Sprecher einen Fixpreis für die Produktion. Die Umsetzung erfolgt anschließend zeitnah in Zusammenarbeit mit Tonstudios. Danach wird das erstellte Hörbuch über das Bookwire-Distributionsnetz weltweit vertrieben. 

Nach Auffassung der Jury bedient das Angebot ein klares Problem – dass Produktionen von Hörbüchern für viele Verlage unerschwinglich sind. Und das in einer Zeit, in der Audio einer der großen Wachstumsmärkte ist. Die vorgelegten Hörproben zeugten von einer hohen Qualität der Produktionen. Das Produkt sei insgesamt rund und nicht nur für Verlage, sondern auch Selfpublisher interessant.

B2C: Blood Sugar Lounge (Verlag Kirchheim)

Die Blood Sugar Lounge ist eine verlegerisch gesteuerte Diabetes-Community, die Betroffene mit verschiedenen Angeboten untereinander vernetzen will: Online mit Community-Funktionen wie Profilen, Rollen-Badges, Chat-Funktion und Gamification-Elementen, offline mit eigenen Veranstaltungsformaten wie Barcamps. Die User erstellen die Inhalte komplett selbst, als Texte, Videos, Audio oder Fotos.

Aus Sicht der Jury überzeugt insbesondere die Tatsache, dass ein alteingesessener Verlag – 1736 in Mainz gegründet, somit einer der ältesten Verlage Deutschlands – ein modernes Community-Angebot auf den Markt bringt, das ähnliche Produkte weitaus größerer Verlage in anderen thematischen Bereichen in den Schatten stelle. Die Mischung aus Fachartikeln und user generated content überzeuge, gerade auch in Verbindung mit modernen Eventformaten wie BarCamps. Der Verlag zeige idealtypisch, wie Spezialthemen heutzutage aufbereitet werden könnten.

STARTUP: Content Blockchain (content-blockchain.org)

Die Content Blockchain ist ein offenes und dezentrales Ökosystem, um digitale Inhalte und Nutzungslizenzen zu verwalten, zu identifizieren und mit ihnen zu handeln. Ein Kernelement ist der  International Standard Content Code (ISCC), der vergleichbar mit traditionellen Identifiern aus der Medienwelt wie ISBN, ISSN oder ISRC ist. Ziel ist es, dass der ISCC mit Hilfe einer einfach zu bedienenden Anwendung aus digitalen Inhalten wie etwa Bildern, Texten oder Videos kostenlos und von jedem generiert werden kann. Die Identifier und Lizenzbedingungen sollen auf einer Blockchain, die öffentlich zugänglich und maschinenlesbar ist, eingetragen werden. 

Die Jury lobt die Initiative als eines der wenigen Blockchain-Projekte, das einen unmittelbaren Nutzen für die Verlagsbranche bringe. Sollten die Verlage bei dem Projekt mitziehen, sei ein Erfolg sehr wahrscheinlich, außerdem könnte das Angebot den gesamten Markt positiv verändern. 

SONDERPREIS: Sound of Magic 

Die Anwendung erzählt eine Geschichte in einer extrem reduzierten Welt. Es gibt keine Grafik, nur Ton – und dennoch oder gerade deshalb sorgt dies dafür, dass sich die Nutzer in dieser Welt verlieren können. Zahlreiche Fragen haben die Jury bei ihrer Diskussion gelotst: Funktioniert ein solcher Ansatz in der heutigen, multimedial geprägten Jugend? Was hat das eigentlich mit Publishing zu tun?

Einig waren sich die Jurymitglieder schließlich in ihrem Urteil, dass der Ansatz der Macher sehr mutig ist. „Sound of Magic“ kreiert eine vollkommen neue Produktkategorie – für die die Anwendung mit dem Sonderpreis des digital publishing award bedacht wird.

DIGITAL LEADER: Michaela Philipzen

Michaela Philipzen hat die ursprünglich klassische Verlagsrolle als Herstellerin erweitert und als CTO ausgekleidet. Sie hat innerhalb ihres eigenen Verlagshauses den strategischen Einsatz von Technologie stark vorangebracht und damit ein zukunftsweisendes Thema mit viel Initiative umgesetzt. Von innen, aus dem Verlag heraus, wurde von ihr so die digitale Transformation angeregt. Neben ihren Verdiensten im Verlag hat Michaela Philipzen mit ihren Projekten und Initiativen Strahlkraft und Wirkung für die gesamte Branche entwickelt und treibt damit die Digitalisierung des Verlagswesen maßgeblich voran.

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