Eine hochkarätige Jury entscheidet über die Vergabe der digital publishing awards. Im Vorfeld stellen wir die Mitglieder des Gremiums mit einem Fragebogen vor. Heute: Juliane Seyhan, Springer Gabler.

©Angelika Stehle

Welche digitale Innovation hat Sie persönlich in den letzten zwölf Monaten am meisten beeindruckt?



Die HABA-Digitalwerkstatt: hier lernen Kinder die digitale Welt spielerisch kennen. Es gibt Programmierworkshops, Kinder experimentieren mit Robotern oder produzieren digital Musik. Ich finde das eine tolle und sehr wichtige Sache, um Kinder (und, ganz wichtig: ihre Eltern und Lehrkräfte) innovativ an digitale Themen heranzuführen.  

Wie schätzen Sie den Innovationsgrad der Medienbranche ein?

Nach meiner Einschätzung ist der Innovationsgrad sehr unterschiedlich. Es gibt sehr innovative Unternehmen, die sich grundsätzlich infrage stellen und versuchen, sich allumfassend neu zu erfinden. In meinem beruflichen Zuhause, der Verlagsbranche, bewegt sich doch einiges. Ein guter Gradmesser ist die Frankfurter Buchmesse, auf der ich 2018 einige Diskussionen und Panels zu Innovationsthemen wie Blockchain oder Künstliche Intelligenz erlebt habe. Es gibt innovative Konzepte wie die „Arts+“, es gibt den startup-Club des Börsenvereins, den Kannwas.Club (der übrigens einen schönen Innovationsleitfaden erarbeitet hat) und viele Aussteller, die neue Ideen präsentieren – das macht doch Mut! 

Schade finde ich, dass immer noch und immer wieder die Diskussion Print vs. Digital (also grob gesagt: was ist eigentlich besser?) geführt wird. Das sollten wir doch endlich mal hinter uns lassen. In unserer Branche geht es um Inhalte, und die gibt es eben in zunehmend verschiedenen Formen, die alle ihre Berechtigung haben. 

Was treibt die Innovation in der Medienbranche maßgeblich voran?

Jedes Unternehmen hat wohl unterschiedliche Motive: manche sind von eigener Innovationsfreude getrieben, manche fangen erst dann an, wenn ihr Geschäftsmodell nicht mehr trägt. Davon unabhängig sehe ich aber vor allem auch die Technologie als großen Treiber. Viele Trends, die die Medienbranche gerade beschäftigen (künstliche Intelligenz, Big Data, Virtual Reality), beruhen auf technologischen Entwicklungen.

Was ist für Sie persönlich „innovativ“?

Innovation fängt für mich immer beim Menschen an. Ein innovatives Produkt entsteht, weil Menschen etwas hinterfragen (Prozesse, ihr Produkt, sich selbst …), weil sie etwas neu denken. Daher wünsche ich mir von der Medienbranche, beim Thema Innovation den Menschen noch mehr in den Blick zu nehmen: Kunden und besonders die eigenen Mitarbeiter. Innovative Produkte entstehen nur in der richtigen Unternehmenskultur, die etwa Freiraum für Kreativität und Eigenverantwortung zulässt.