Eine hochkarätige Jury entscheidet über die Vergabe der digital publishing awards. Im Vorfeld stellen wir die Mitglieder des Gremiums mit einem Fragebogen vor. Heute: Fabian Kern, smart digits

Welche digitale Innovation hat Sie persönlich in den letzten 12 Monaten am meisten beeindruckt?
Ein Bereich, den ich gerade mit großem Interesse beobachte, sind die Technologie rund um die Sprachverarbeitung: Von Erkennung natürlicher und geschriebener Sprache über Sprachverarbeitung und Sprachsynthese bis zu den Sprachassistenten, automatisierten Übersetzungen und Textgenerierung. Ich habe den Eindruck, dass hier in den letzten 1-2 Jahren ein grundlegender Technologie-Sprung stattgefunden hat – und obwohl Sprache und Text eigentlich eine der Kernkompetenzen überhaupt unserer Branche ist, haben wir uns bis auf wenige Einzelfälle noch kaum damit auseinandergesetzt.

Wie schätzen Sie den Innovationsgrad der Medienbranche ein?
Ich habe ja berufsbedingt das Glück, eher mit den innovativeren Unternehmen unserer Branche als Kunden zu tun zu haben – und habe von daher die Erfahrung, dass es wirklich viele sehr gute Leute in den Verlagen gibt, die mit hoher Energie Innovationsprojekte vorantreiben und entwickeln. Es ist wahrscheinlich nicht die primäre Aufgabe der Medienbranche, ganz vorne in der Entwicklung dabei zu sein – die Technologie-Treiber sitzen sicher in anderen Branchen. Aber manchmal würde ich mir wünschen, dass Trends aus anderen Branchen schneller erkannt und adaptiert würden – bevor sie ein Problem für unsere Branche werden.

Was treibt die Innovation in der Medienbranche maßgeblich voran?
Letztlich wird Innovation immer von einzelnen Menschen und Mitarbeitern getrieben, denke ich – von Menschen, die ein persönliches Interesse daran haben, die Zukunft zu gestalten, statt sie zu erleiden oder ihr ausgeliefert zu sein. Was ich mir wünschen würde: dass diese Menschen in den Unternehmen mehr Unterstützung und Handlungsspielraum bekommen und Innovation nicht erst dann geschieht, wenn man wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand steht.

Was ist für Sie persönlich eigentlich „innovativ“?
Innovativ sein heißt für mich, mit wachen Augen durch die Welt zu gehen, Entwicklungen in möglichst vielen Bereichen nicht nur zu beobachten, sondern zu verstehen. Auf dieser Basis Veränderungen zu antizipieren und darauf nicht zu reagieren, sondern aktiv eigene Strategien entwickeln. Und nicht zuletzt: jeden Tag etwas Neues lernen und immer wieder neu darauf schauen, welcher Weg ganz persönlich der beste ist für den nächsten Schritt.