Eine hochkarätige Jury entscheidet über die Vergabe der digital publishing awards. Im Vorfeld stellen wir die Mitglieder des Gremiums mit einem Fragebogen vor. Heute: Christina Schnelker, WDR

Welche digitale Innovation hat Sie persönlich in den letzten zwölf Monaten am meisten beeindruckt?

Das war tatsächlich ein Projekt, das „mein“ Sender, der WDR, gestaltet hat – ein interaktives 360 Grad VR-Erlebnis, mittels dessen man virtuell ins Bergwerk einfahren und alle sensitiven Eindrücke dieser Ausnahme-Situation auffassen kann. Als Kind des Ruhrgebietes, in deren Familie wegen des Vornamens meiner Mutter jeden 04. Dezember in großem Stile und unter Absingen des Steigerliedes der „Barbaratag“ begangen wurde ein unglaublich beeindruckendes Erlebnis, das das Ruhrgebiet auf der Basis innovativster Technologie mit ganz viel Herz würdigt! https://glueckauf.wdr.de/

Wie schätzen Sie den Innovationsgrad der Medienbranche ein?

Nach meiner Beobachtung ist die Frage nicht „schwarz/weiß“ zu beantworten. Denn während hier und da mangelnde Innovationskraft der großen Häuser in Deutschland moniert, wird vielleicht nicht genügend gewürdigt, was wir alle – und ja schon lange – ganz selbstverständlich auf unseren Smartphone tagtäglich nutzen: eine riesige Fülle attraktiver Inhalte-Apps, Audio- und Videotheken, Podcasts, kurz gesagt: in digitale Anwendung gegossene Aktualität, gepaart mit Rückkanalfähigkeit. Dazu kommt, dass z.B. gerade in der ARD derzeit überall „Nester“ von digital freaks mit unstillbarem Gestaltungswillen darum ringen, mit agilen Projektmethoden Innovation zu treiben. Davor habe ich riesigen Respekt! 

Was treibt die Innovation in der Medienbranche maßgeblich voran?

Die Medienunternehmen, die Stand heute tatsächlich erfolgreich am Markt stattfinden und eine Relevanz besitzen – seien es Verlage oder private oder öffentlich-rechtliche Rundfunkunternehme – haben einen gemeinsamen Treiber, in meinen Augen den einzig wichtigen: den Nutzer. Und dessen veränderte Nutzungsgewohnheiten, ja mitunter „Launen“ sind es, die (etablierte) Medienhäuser antreiben, innovative Angebote da zu machen, wo er ist. Wo verstanden ist, dass man in großen Medienunternehmen längst nicht mehr Inhaber von Rollen ist, die man lange ungern aufgeben wollte, sondern dass man um die Aufmerksamkeit aufgeklärter Nutzer mit dem Anspruch einer Augenhöhe kämpft, weil sie inzwischen über das Netz mit Leichtigkeit selber „Sender“ und „Publizist“ sind, da werden Journalisten und Redakteure im besten Sinne zur Innovation herausgefordert. 

Was ist für Sie persönlich „innovativ“?

„Innovativ“ ist, wenn ein Mehrwert damit verknüpft ist. Damit meine ich eine Verbesserung oder Erleichterung meines Alltags, meiner Abläufe, die intuitiv und nicht verkopft daher kommt und Innovation nicht zum Selbstzweck hat geraten lassen. Am besten finde ich (technische) Innovationen, die auf das hohe Gut der Barrierefreiheit einzahlen. Denn wir alle können von einem Moment auf den anderen genau solche Innovationen benötigen, um teilhaben zu können…!