Olaf Remmele, Geschäftsführer des dpa-Sponsors Rhenus BPO Services, im Interview über Chancen und Fallstricke beim Outsourcing sowie gescheiterte und geglückte Innovationen in Medienhäusern.

Outsourcing wurde früher oft als Mittel für Kostensenkungen begriffen, wird heute aber auch unter strategischen Gesichtspunkten für Medienhäuser oft diskutiert. Warum ist Outsourcing zentraler Bestandteil der Strategien von Medienhäusern?

Wir erleben immer mehr, dass sich Unternehmen verstärkt auf ihre Kernaufgaben konzentrieren, in denen sie ihre Expertise ausbauen. Für spezialisierte Dienstleistungen wie IT oder Kundenbeziehungsmanagement wenden sie sich an entsprechende Experten dieser Bereiche, die ihre Prozesse effizienter gestalten können und somit echten Mehrwert für die Supply Chain bieten.

Geschäftsführer Olaf Remmele

Für Medienunternehmen welcher Größe ist Outsourcing interessant?

Im Grunde ist die Auslagerung von Prozessen und Dienstleistungen für jedes Medienunternehmen – unabhängig von dessen Größe – immer dort interessant, wo ein externer Dienstleister dazu beitragen kann, das jeweilige Angebot zu optimieren und somit das Geschäft zu entwickeln. Dies bedeutet nicht immer nur eine Kostensenkung, sondern oft auch eine Verbesserung der Effizienz, Zeitersparnis im Prozess oder auch einen Ausbau oder die Entwicklung der Dienstleistungen.

Was sind Ziele bzw. Chancen?

Die Chancen des Outsourcings haben nicht nur einen monetären Wert. Eine der wichtigsten Chancen heutzutage ist die Innovationskraft und Veränderungsgeschwindigkeit von Outsourcing-Dienstleistern. Diese ist oft höher als bei internen Organisationen und ermöglicht es dem Kunden, mit den häufigen und oft plötzlichen Marktveränderungen Schritt zu halten.

Wo sehen Sie Fallstricke bei Outsourcing-Projekten?

Hier gibt es einige Klassiker, die immer wieder vorkommen und den Erfolg drosseln können: Zum einen ist es besonders wichtig, sich mit den Dienstleistungen selbst sowie deren Anforderungen auseinander zu setzen. Denn nur wenn klar ist, was genau erreicht werden soll, sind die Erfolge messbar und können vom Dienstleister erbracht werden. Werden die Dienstleistungen nicht entsprechend definiert, kann es passieren, dass die Erwartungshaltung und die Leistung auseinanderdriften. Zum anderen muss zur Erfolgsmessung ein entsprechendes Kennzahlsystem zur regelmäßigen Steuerung vereinbart und erstellt werden. Dies ermöglicht ebenso ein Vorrausschauen zur Geschäftsentwicklung anhand von „Forecasts“.

Welche Trends erkennen Sie bei dem Thema? Bei welchen Dienstleistungen setzen Medienhäuser verstärkt auf Ihre Dienste?

Aktuell sehen wir bei Medienhäusern klar den Trend zum Cross- und Upselling sowie zu Outbound-Dienstleistungen im Kundenservice. Hier haben wir bei Rhenus BPO Services einen nicht unwesentlichen Vorteil, da wir diese Leistungen seit mehr als 15 Jahren für eine Reihe von Branchen erbringen und somit eine wichtige Expertise aufgebaut haben.

In welchen Fällen raten Sie in Outsourcing-Prozessen zu Change-Management?

In allen Fällen. Es geht immer um Veränderung, gerade wenn Unternehmen zum ersten Mal ein Outsourcing durchführen. Durch fehlende Erfahrungen können dabei oft Ängste entstehen. Wichtig ist hier, dass die Mitarbeiter beim Prozess des Auslagerns mitgenommen werden und der Prozess transparent erklärt wird. Das führt zur Akzeptanz und so zur erfolgreichen Umsetzung des Modells. Ein Dienstleister kann dies jedoch nur bedingt allein in das Unternehmen tragen und braucht hier die Unterstützung und Zusammenarbeit mit dem Management.

Seit August 2018 firmieren Sie unter dem Namen Rhenus BPO Services. Was waren die Beweggründe?

Nachdem wir von 2016 bis 2018 als Rhenus Media Services von der Verlagsbranche in weitere Märkte vorgestoßen sind, war die Umbenennung der nächste logische Schritt. Denn für andere Branchen war der Begriff „Media Services“ in der Firmierung immer ein Fragezeichen und erklärungsbedürftig. Mit dem neuen Namen wollen wir zum einen unsere Kompetenzen darstellen und zum anderen ausdrücken, dass wir nicht uns nur in einer, sondern in einer Vielzahl von Branchen bewegen.

Als Co-Sponsor des digital publishing award unterstützen Sie uns dabei, verlegerischen Innovationen eine Bühne zu bauen. Was bedeutet für Sie Innovation?

Innovation ist für mich heute bedeutender denn je. Unsere Welt verändert sich nicht mehr in 100-Jahresschritten wie einst, sondern mittlerweile alle fünf bis zehn Jahre. Als Unternehmer ist es daher umso wichtiger, Innovationskraft als Unternehmenskultur zu etablieren und auch vorzuleben. Dies sichert heute die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens. Es reicht auch nicht, kurzfristig für einen Zeitraum von beispielsweise zwei Jahren als Unternehmen innovativ zu sein. Innovation ist ein laufender Prozess, der kein Ende haben wird sondern im Gegenteil an Geschwindigkeit gewinnen wird. Die IT-Branche zum Beispiel kennt es nicht anders, dort gab es diese Entwicklung von Anfang an. In dieser Branche ist die Innovation Teil der Unternehmenskultur.

Woran scheitern Innovationen bei Medien hauptsächlich?

Oft ist es die fehlende Unterstützung des Managements für den Mut mancher Mitarbeiter, neue Wege zu beschreiten. Innovation bedeutet auch ein gewisses Risiko. Das Management muss dies selbst ebenso wollen. Damit sind jedoch nicht nur Verlagsleiter oder Geschäftsführer gemeint, sondern die gesamte Führung eines Unternehmens. Erst wenn die nötige Akzeptanz und Unterstützung bestehen, kann Innovation im gesamten Unternehmen erfolgreich umgesetzt werden.

Wie unterstützen Sie Innovationen bzw. innovative Geschäftsmodelle von Medien?

Wir führen mit unseren Kunden oft Pilotprojekte durch, testen also eine Idee im Cross-, Upselling oder im Vertrieb aus. Aber auch mit unserer IT-Kompetenz helfen wir Unternehmen dabei, eine gewisse Flexibilität oder Performance zu generieren, die weitere Innovationen oder Neuerungen in bestehenden Systemen mit sich führen oder anstoßen können.

Welche mediale Innovation vermissen Sie persönlich?

Wenn ich das so genau wüsste, würde ich ein Start-Up gründen und es direkt umsetzen, da es wahrscheinlich eine gute Idee wäre. Aber indirekt vermisse ich einen gewissen Grad an komplettem Neu-Denken anstatt die alte Welt transformieren zu wollen. Hier gibt es ein großes Potenzial, mit dem die Branche weiterentwickelt werden kann.